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Kärntner Institut für Seenforschung - Naturwissenschaftliches Forschungszentrum
Kärntner Seenbericht 2012

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Inhalt:

Restaurierungsmaßnahmen 2011


[Sanierungsprojekt Ossiacher See - Bleistätter Moor] [Tiefenwasserbelüftung am Feldsee] [Populationsökologische Untersuchungen] [Mähbooteinsatz] [Besondere Ereignisse] 

Die Kärntner Badeseen sind aufgrund ihrer Lage in Mitten von Siedlungsgebieten verschiedensten Belastungen ausgesetzt und sind besonders im Sommer ein Anziehungspunkt für Erholungssuchende. Trotz zahlreicher Maßnahmen zum Schutz der kärntenweit guten Wasserqualität treten gelegentlich Probleme auf, die das Badevergnügen beeinträchtigen. In manchen Fällen können geeignete, ökologisch verträgliche Maßnahmen das Problem beheben. 


Sanierungsprojekt Ossiacher See - Bleistätter Moor


An Tagen mit intensiver Sonneneinstrahlung treiben im Sommer an der Wasseroberfläche des Ossiacher Sees, besonders im Ostbecken schwarz-braune Fladen von fädigen Blaualgen (Königs-Schwingalge).

Das vom Land Kärnten ausgearbeitete Sanierungsprojekt „Ossiacher See – Bleistätter Moor“ soll mittelfristig das Algenaufkommen eindämmen und den guten ökologischen Zustand des Sees wieder herstellen. Als zentraler Punkt dieses Vorhabens wird die Errichtung zweier Vorteiche, die als Sedimentationsbecken fungieren, angesehen. Diese Flutungsbecken beidseits im Bereich der Tiebelmündung werden das Wasser und somit die Schwebstofffrachten der Tiebel aufnehmen. Somit wird die Tiebel über den Umweg der Sedimentationsbecken in den Ossiacher See geleitet werden.

Für die Errichtung der Vorteiche wurden vom Land Kärnten bisher bereits 93 der benötigten 100 Hektar Bleistätter Moorfläche abgelöst und aus der Nutzung genommen. Die Grundstücksablösen der restlichen 7 Hektar sind noch nicht abgeschlossen. Mit den vorgesehenen technischen Maßnahmen und der Flutung kann jedoch erst begonnen werden, wenn alle notwendigen Flächen zur Verfügung stehen.

Eine Studie über die Defizite im Makrophytenbestand (untergetauchte Wasserpflanzen) des Ossiacher Sees (JOHAM et al. 2011) hat aufgezeigt, dass die Sedimentbeschaffenheit hinsichtlich Qualität und Struktur den Standort für Unterwasserpflanzen wesentlich mitbestimmt. Mit der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung des Bleistätter Moores (seit 1930) und der Begradigung des Bachbettes der Tiebel gelangten verstärkt Schwebstoffe sowie Nährstoffe und im Ackerbau eingesetzte Pflanzenschutzmittel in den Ossiacher See. Als Folge sind hohe Gesamt-Phosphor-Konzentrationen (bis zu 1.243 mg/kg in Trockensubstanz) in den Seesedimenten im Umkreis der Tiebelmündung festzustellen. Dieser hohe Anteil trägt zur Hemmung der Makrophytenentwicklung bei. Weiteres ist die enorm hohe Schwebstofffracht der Tiebel zu nennen. Die Schwebstoffe setzen sich auf den Wasserpflanzen ab und erschweren die photosynthetischen Prozesse.

Die durchgeführte Sedimentabsaugung im Ostbecken vor der Tiebelmündung des Sees hat vor allem im Hinblick auf die Einströmrichtung der Tiebel in den See eine Verbesserung gebracht. Eine Verbesserung der Sedimentqualität hinsichtlich eines für untergetauchte Wasserpflanzen adäquaten Standortes kann damit aber noch nicht in Zusammenhang gebracht werden. Die Tiebel verfrachtet nach wie vor gewaltige Mengen an absetzbaren Stoffen in den See, die das Wachstum der Wasserpflanzen hemmen.

Eine zielführende Maßnahme zur Verbesserung der Sedimentqualität und damit zur Förderung der Wasserpflanzenentwicklung im östlichen Teil des Sees wird primär in der Errichtung des geplanten Vorsees zur Herabsetzung der Schwebstofffracht der Tiebel gesehen.

Die Sedimentationsbecken sind links- und rechtsseitig der Tiebel westlich, der Bleistätter Moor Straße (L50) geplant. Mit einer naturnahen Gestaltung des Flutungsbeckens und seiner unmittelbaren Umgebung wird ein attraktiver Lebensraum für Erholungssuchende und Naturbeobachter geschaffen. Eine Fotomontage zeigt den Mündungsbereich der Tiebel, wie er in ca. 10 Jahren, nach Errichtung der beiden Vorseen, aussehen könnte. 
Blick auf die Zukunft des Bleistätter Moors
Fotomontage des Bleistätter Moors in 10 Jahren; Erstellt vom Ingenieurbüro Bolt
Fotomontage erstellt vom Ingenieurbüro Bolt.
Im Oktober des Jahres 2011 fand der Spatenstich für den Bau des Pumphauses im Poldergebiet des Bleistätter Moores statt. 160 ha des 600 ha großen Gebietes liegen unter dem Wasserspiegel des Ossiacher Sees und werden künstlich entwässert. Mit dem Bau des Pumphauses und der Umleitung der Dränagen sind die ersten Schritte zu Errichtung des Flutungsbeckens gesetzt.

Nach wie vor im Einsatz waren die Algenabschöpfboote, die an den stark befallenen Stellen des Sees die Algenfladen von der Wasseroberfläche entnehmen. Diese Maßnahme ist eine Soforthilfe, kann das Problem aber nicht lösen. 
Soforthilfe
Algenabschöpfboot. Foto: Lorber
Algenabschöpfboote am Ossiacher See.

Tiefenwasserbelüftung am Feldsee


Die über den Winter abgesenkte Tiefenwasserbelüftungsanlage (TIBEAN) wurde am 5. April 2011 wieder gehoben. Sie war vom 11. April bis zum 22. September 2011 in Betrieb. Eine Reinigung und Wartung der Anlage wurde am 25. und 26. Juni durchgeführt. Nach der Abschaltung wurde die Anlage am 25. Oktober wieder abgesenkt, damit sie vom Eis nicht beschädigt wird. Die Anlage verbrauchte im Jahr 2011 rund 26.000 kWh Strom (€ 4.700), das ist um rund 4.000 kWh weniger als im Jahr 2010. 
Kosten und Stromverbrauch
tiefenwasserbelueftung_feldsee
Kosten und Stromverbrauch der Belüftungsanlage TIBEAN von 2003 bis 2011. (Datenquelle: Wasserverband Millstätter See, Herr Laubreiter)
Die Belüftung des Tiefenwassers bedingt letztlich eine Verringerung der Algenproduktion. Dadurch, dass Sauerstoff in die Tiefe geblasen wird, bleibt Phosphor im Sediment gebunden. Wäre das Tiefenwasser des Feldsees sauerstofffrei, würde sich Phosphor aus dem Sediment lösen und den Algen zur Verfügung stehen. Die Folge wäre eine erhöhte Algenproduktion.


Populationsökologische Untersuchungen der Fischnährtiere des Wörthersees und des Millstätter Sees


Aufgrund des Rückganges der jährlichen Reinanken-Erträge sowohl bei der Angel- als auch bei der Netzfischerei am Wörthersee und am Millstätter See beauftragte die Abteilung 8 (Kompetenzzentrum Umwelt, Wasser und Naturschutz) das Kärntner Institut für Seenforschung mit der Durchführung einer entsprechenden Untersuchung. Anhand von Nahrungsnetzanalysen hinsichtlich des Phytoplankton- und Zooplanktonbestandes wird im Wesentlichen der Frage nachgegangen, ob ausreichend Fischnährtiere für den Besatz von Reinanken (Fischlarven) vorhanden sind. Dazu wurden im vergangenen Jahr an beiden Seen von der TGA monatlich Proben entnommen. Die Ergebnisse der noch laufenden Analysen werden mit denen aus früheren Untersuchungen verglichen und im Hinblick auf die fischereiliche Nutzung diskutiert.

Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchungen verfolgt das Ziel, den optimalen Zeitpunkt und Ort für den Besatz mit Fischlarven im Wörthersee auf Basis der geeigneten Zooplankton-Fischnährtiere zu ermittelt. Als geeigneter Zeitpunkt wird das Vorhandensein einer großen Menge geeigneter Fischnährtiere (Nauplien) angesehen. Dazu wurden im Frühjahr 2011 an 6 Stellen verteilt über den Wörthersee und an 6 Terminen (März/April) Zooplanktonproben genommen, die im Hinblick auf das Vorhandensein des bevorzugten Nahrungsangebots, der Nauplien von Hüpferlingen (Copepoda), ausgewertet wurden. Die Abbildung zeigt, dass mit Ende März und Anfang April ein günstiger Besatzzeitpunkt vorlag. Laut Auskunft des Fischereiinspektors fand der Besatz mit den Reinankenlarven zu diesem Zeitpunkt statt.
Naupliendichte Wörthersee
individuendichten_woerthersee
Naupliendichte an verschiedenen Stellen zu den beprobten Terminen im Wörthersee.
Es ist anzunehmen, dass für die horizontale Verteilung der Nauplien im Oberflächenbereich im Wesentlichen der Wind verantwortlich ist. Der Einfluss der Wassertemperatur ist indirekt gegeben, da bei höherer Wassertemperatur die Entwicklung schneller abläuft. Entscheidend für die Individuendichte im Frühjahr ist die Anzahl der überwinternden eitragenden Weibchen. Die größten Individuendichten wurden im Jahr 2011 an drei Stellen im Westbecken: Bad Saag, Auen, Oberdellach gefunden.


Mähbooteinsatz

Mähboot; Foto: KISZum Schneiden von Unterwasserpflanzen in Badebereichen wird von der Abteilung 8, Unterabteilung Wasserwirtschaft Hermagor, ein Mähboot bereitgestellt. In der Badesaison 2011 wurden an 4 Seen mit stark verkrauteten Badestellen Wasserpflanzen bis in max. 6 m Wassertiefe geschnitten und das Mähgut entfernt. Der Zeitraum des Einsatzes und die Betriebsstunden sind in der nachstehenden Tabelle im Vergleich zu den Jahren 2009 und 2010 angeführt.
Tabelle Mähbooteinsatz
maehbooteinsatz
Betriebsstunden des Mähbootes
maehboot_betriebsstunden
Betriebsstunden des Mähbootes im Zeitraum von 2003 bis 2011.
Die Graphik veranschaulicht die Entwicklung der Betriebsstunden des Mähbootes ab dem Jahr 2003. Zu erkennen ist, das vom Jahr 2008 bis zum Jahr 2011 die Betriebsstunden kontinuierlich abgenommen haben. Besonders auffallend ist, dass am Pressegger See, der als Gewässer mit stark wucherndem Wasserpflanzenbestand bekannt ist, in den letzten drei Jahren keine Makrophyten in den Badebereichen gemäht werden mussten. Da aber gerade ein dichter Pflanzenbestand für die Wasserqualität und ökologische Funktionsfähigkeit von großer Bedeutung ist, wird im Jahr 2012 vom Kärntner Institut für Seenforschung nach Ursachen für den ungewöhnlich starken Makrophytenschwund geforscht. 


Besondere Ereignisse


Ferlacher Badesee, Magdalensee, Ossiacher See

 
web_aufschwimmende_blaualgenflocke_ferlbtIm Sommer 2011 erschienen ab etwa Mitte Juli wieder an verschiedenen Seen (Ferlacher Badesee, Magdalensee, Ossiacher See) aufschwimmende Fadenalgenwatten, die von der Bevölkerung als Verschmutzung wahrgenommen wurden. 
web_faedige_blaualgen_ferlbtDiese Fadenalgen aus den Algenklassen der Blaualgen (Oscillatoriales), Grünalgen (Jochalgen der Gattungen Spirogyra sp., Zygnema sp. und Mougeotia sp.), Gelbgrünalgen (Tribonema sp.) und Kieselalgen (Melosira varians) besiedeln den Seegrund bzw. die Ufer der Seen je nach Jahreszeit und Nährstoffgehalt des Bodens mehr oder weniger dicht.
web_schlammflocke_oscillatoriales_ossiacherseeSterben diese Algen im Laufe des natürlichen Kreislaufs ab, erfolgen Zersetzungsprozesse, bei denen Gase gebildet werden, so steigen sie in Form unschöner Algenfladen zur Oberfläche auf, wo sie im Uferbereich zu unansehnlichen Klumpen zusammengetrieben werden. 
web_spirogyra_dipterenlarve_magdalenenseeDieser natürliche, alljährlich in unterschiedlich starkem Maße auftretende Abbauvorgang kann lokal sehr wohl das Badevergnügen beeinträchtigen, stellt jedoch keine gesundheitliche Gefährdung dar. In weiteren biologischen Selbstreinigungsprozessen werden diese Algenreste abgebaut. 

Klopeiner See, Wörthersee und Silbersee

web_erlenpollen_klopeinerseeImmer wieder entstehen durch Insektenreste (Schlupfhäute von Insekten, deren Jugendstadien im Wasser leben, wie z. B. Eintagsfliegen) und auf die Gewässeroberfläche gefallene Pollen schwarze, ölige Schlieren an der Wasseroberfläche, was mit Geruchsbelästigung einhergehen kann, die ebenfalls durch biologische Abbauvorgänge verursacht werden. Die darin befindlichen Eiweißstoffe können durch Wind und Wellenschlag aufgeschäumt und somit leicht als „Verunreinigung“ angesehen werden. Im vergangenen Seenjahr beobachtet am Klopeiner See, am Wörthersee-Südufer bei Sekirn sowie am Silbersee. Gegen Ende des Jahres 2011 wurde am Wörthersee ein schwärzlicher, öliger Film beobachtet (zur Anzeige kam: „Die Schwäne haben schwarze Hälse“).
web_anabaena_lemmermannii_woertherseeDie Wasserproben zeigten, dass es sich dabei um die Abbauprodukte einer Blaualgenblüte (Massenentwicklung der Ringel-Blaualge Anabaena lemmermannii) handelte. Diese Algen können an der Wasseroberfläche schwimmend atmosphärischen Stickstoff aufnehmen, der im Gewässer um diese Jahreszeit in der Regel bereits von den anderen Algen über den Sommer verbraucht worden ist und daher als Pflanzennährstoff fehlt.

Millstätter See

web_gallertstraenge_cyclotella_millstaetterseeEnde Juli/Anfang August beeinträchtigte eine starke Kieselalgenentwicklung die Badefreuden am Millstätter See, ähnlich wie am Ossiacher See im Vorjahr. Nach dem Baden blieb an der Haut eine fädige Substanz kleben, die sich schwer entfernen ließ. Dieses Phänomen kann nicht auf eine Verschmutzung zurückgeführt werden, sondern auf den natürlichen Entwicklungszyklus einiger zentrischer Kieselalgen, in diesem Fall: Cyclotella cyclopuncta und Cyclotella ocellata. Am durch Kieselsäuremangel verursachten Ende des frühsommerlichen Kieselalgenmaximums produzieren mehrere Algenzellen eine gemeinsame, fädige Gallerte aus Polysacchariden (Vielfach-Zucker), in deren Schutz sie Dauerstadien (Auxosporen) bilden. In der Folge sinken diese Gallerten zu Boden und verfrachten die in den Kieselalgen gebundenen Nährstoffe aus der lichtdurchströmten Oberflächenschicht (Epilimnion) in die Tiefe.
 

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