Millstätter See
| Trophie: |
oligotroph |
| Hygiene: |
sehr gut |
| Ökologischer Zustand: |
gut |
Gemäß den Einstufungskriterien (nach ÖNORM M 6231) Gesamt-Phosphor und Phytoplanktonbiovolumen wurde der Millstätter See 2011 als oligotrophes Gewässer bewertet. Im Jahr 2011 wurden an elf Terminen Wasserproben zur chemischen und biologischen Analyse gezogen sowie Vorortwerte gemessen. Durch die häufigere Beprobungsfrequenz konnte die Schwankungsbreite der einzelnen Parameter genauer erfasst werden.
Im Jänner, vor Beginn der Phytoplanktonentwicklung, wurde eine maximale Sichttiefe von 10,4 m gemessen, die mittlere Sichttiefe entsprach mit 6,5 m dem Vorjahreswert. Das Minimum von 4,6 m wurde zum Zeitpunkt der höchsten Algenbiomasseproduktion (Kieselalgen und coccale Blaualgen) im Juli gemessen.
Die Gesamt-Phosphorkonzentrationen des Epilimnions (0 - 6 m) spiegelten mit einem Jahresmittelwert von 6 µg/l den nährstoffarmen Trophiestatus wider. Auch die gewichteten, auf das Seevolumen bezogenen Werte, waren mit durchschnittlichen 5 µg/l (0 - 70 m) äußerst gering. In 141 m Tiefe wurden aufgrund des meromiktischen Zirkulationsverhaltens des Millstätter Sees höhere Gesamt-Phosphor-Gehalte mit maximal 112 µg/l (Oktober) gemessen. Die Sauerstoffgrenze (<0,2 mg/l) lag im Winter und während der Sommerstagnationsphase (Juli bis September) in 90 m Tiefe. Im Frühjahr gelangte mit der Zirkulation Sauerstoff in tiefere Zonen. Die Sauerstoffgrenze verlief im April in 110 m Tiefe und im Mai und Juni in 100 m Tiefe. Schwefelwasserstoffbildung wurde im Juli ab 100 m, im Oktober ab 120 m und im Jänner bzw. September ab 130 m Tiefe festgestellt.
Die Phytoplanktonbiovolumina im Epilimnion (0 - 6 m) schwankten zwischen 0,357 mm³/l (April) und 2,193 mm³/l (Juli). Das Jahresmittel 1,005 mm³/l entsprach ebenso wie der gewichtete Durchschnittsgehalt über die Wassersäule 0 - 30 m (1,146 mm³/l) dem Messwert des Jahres 2010. Im Jänner und März bildete die „Burgunderblutalge“
Planktothrix rubescens im Wasserkörper von 0 bis 30 m Tiefe bis zu 85 % des Biovolumens. Ab April schichtete sich
Planktothrix rubescens unterhalb von 6 m ein und wich im Sommer in noch tiefere Zonen aus, unterhalb von 12 m, wo sie mit pennaten Bacillariophyceae konkurrierte. Im Juni und September bildete
Planktothrix rubescens zwischen 21 m und 30 m ein beachtliches Biovolumen (2,606 mm³/l). Das Epilimnion (0 - 6 m) wurde von Mai bis September von wechselnden Algenklassen besiedelt. Chrysophyceae (
Dinobryon divergens) bauten bis zu 64 % des Biovolumens im Mai auf, centrale Bacillariophyceae (
Cyclotella sp.) waren von Mai bis Juli bis zu einem Drittel am Aufbau des Phytoplanktons beteiligt. Coccale Blaualgen (
Chroococcus limneticus) bildeten im Juli 32 % des Biovolumens und Dinophyceae (
Peridinium sp.) waren im August und September mit Anteilen bis zu 35 % vertreten. Ab Oktober waren wieder
Planktothrix rubescens und
Fragilara crotonensis (pennate Bacillariophyceae) über alle Tiefenstufen dominant.
Ende Juli beeinträchtigte eine fädige Substanz, die an der Haut haften blieb, die Badefreuden. Es handelte sich um die fädigen Gallerte von centrischen Kieselalgen (
Cyclotella cyclopuncta und
Cyclotella ocellata), die im Laufe des natürlichen Entwicklungszyklus gebildet werden und in der Folge in die Tiefe sinken.
Die Auswertung nach den Kriterien der Gewässerzustandsüberwachungsverordnung, Qualitätselement Phytoplankton, ergab für 2011 (Gesamt EQR 0,73) ebenso wie die Gesamtbeurteilung (3-Jahresmittel) den „guten“ Zustand.
Im Rahmen des EU-Projektes SILMAS (Sustainable Instruments for Lakes Management in the Alpine Spaces) wurde der Uferfunktionsindex (Lake Shorezone Functioning Index) angewendet (SCHÖNHUBER, 2012). Insgesamt wurde am Millstätter See eine Uferlänge von 26,856 km bewertet und in 25 homogene Abschnitte eingeteilt. 38 % der Uferlinie (weitgehend naturbelassenes Südufer) wurden mit „sehr gute Zustandsklasse“ bewertet, im Bereich des Nordufers wurden 36 % der Uferabschnitte aufgrund anthropogener Eingriffe mit „mäßig“ beurteilt.