Das Leben in unseren Seen
Blau-, Grün- und Kieselalgen unter dem Mikroskop.
Grundsätzlich unterscheiden wir in unseren Seen zwei große, deutlich voneinander geschiedene Lebensbereiche. Einerseits die Lebensgemeinschaft des freien Wasserkörpers, das Pelagial, und andererseits die Lebensgemeinschaft des Seegrundes, das Benthal.
Der Großteil der Organismen unserer Seen sind mikroskopisch kleine Pflanzen und Tiere. Die mit freiem Auge sichtbaren Formen höherer Wasserpflanzen wie Seerosen, Tausendblatt und Laichkraut, oder Tiere wie Muscheln, Schnecken oder Fische spielen in ihrer Vielfalt zumeist nur eine untergeordnete Rolle. In großer Arten- und Individuenzahl ist hingegen die Lebensgemeinschaft des Planktons vertreten, die sich aus sehr kleinen Organismen zusammensetzt, die zeitlebens im freien Wasserkörper schweben. Unter diesen pflanzlichen Organismen sind es die Schwebealgen (Phytoplankton), die bis zu einigen Millionen Einzelzellen pro Liter Wasser vorhanden sein können, jedoch nur eine Größe von wenigen Tausendstel Millimeter aufweisen. Diese Schwebealgen leben in der lichtdurchfluteten Oberflächenschicht, weil sie – wie alle Pflanzen – mit Hilfe von Sonnenenergie aus anorganischen Nährsalzen, wie Phosphor- und Stickstoffverbindungen, organische, also körpereigenen Substanz aufbauen. Bei diesem Prozeß werden Nährstoffe dem Wasser entzogen und in die Algenkörper eingebaut. Je nach Nährstoffgehalt des Wassers gibt es nun nährstoffarme (oligotrophe) und nährstoffreiche (eutrophe) Seen, Übergangstypen werden als mesotrophe Seen bezeichnet. Aufgrund dieser unterschiedlich großen Nährstoffkonzentrationen können sich die Schwebalgen unterschiedlich gut entwickeln. Ein nährstoffreicher See hat einen hohen Algenbestand, ähnlich einem gut gedüngten Acker, der einen guten Ernteertrag ergibt. Während aber eine gute Produktion im Ackerbau höchst erwünscht ist, wird eine hohe Algenproduktion im See nicht geschätzt, weil die Schwebealgen das Wasser trüben und unansehnlich machen. Außerdem wird nach dem Absterben der Algen durch Verwesungsprozesse in der Seetiefe dem Wasser Sauerstoff entzogen. Bei nährstoffreichen und somit algenreichen Seen sind daher diese Prozesse sehr intensiv, wobei der Sauerstoffgehalt in der Tiefe stark absinken kann. Aus diesen Gründen ist ein hoher Nährstoffgehalt im See verständlicherweise wenig erwünscht, und alle Maßnahmen der Seenreinhaltung zielen darauf ab, die Nährstoffgehalte möglichst niedrig zu halten.
Neben den erwähnten Schwebealgen leben im freien Wasserkörper unserer Seen auch tierische Organismen, die ebenfalls mikroskopisch klein sind (Maximalgröße: 1 bis 2 mm). Diese als Zooplankton bezeichnete Lebensgemeinschaft umfasst Einzeller, Rädertiere und Kleinkrebse, von denen die Wasserflöhe und Hüpferlinge die bekanntesten sind. Das Zooplankton ist unter anderem Nahrungsbasis für die Fische, die das Endglied der Nahrungskette im See darstellen.
Um einen Begriff von der geringen Größe und von der enormen Individuendichte dieser winzigen Lebewelt zu bekommen, sei erwähnt, dass im Liter Wasser bis zu mehreren Millionen Einzellen vorhanden sein können. Bei fädigen Formen, wie beispielsweise der bekannten Burgunderblutalge („Rotalge“) können duzende Meter Fadenlänge pro Liter vorhanden sein, wenn man die kleinen, nur wenige Millimeter langen, allerdings nur etwa 5/1000 mm dicken Einzelfäden aneinanderreiht.
Zitat aus SAMPL, H.: Kärnten – ein Land der Seen: 63-100. In: MILDNER, P. & H. ZWANDER (1999): Kärnten Natur. Die Vielfalt eines Landes im Süden Österreichs. - Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt.